Etwa 15 Meilen nördlich der Stadtgrenze von Minneapolis befindet sich ein kleiner Sportflughafen, den wir zufällig auf der Fahrt nach Duluth fanden. Eigentlich wollten wir nur als Flugzeugbegeisterte dem Treiben ein wenig zuschauen, als uns ein junger Mann freundlich mit einer Bierflasche winkend ansprach.
Er hatte wohl erkannt, daß wir keine Amerikaner sind und interessierte sich lebhaft für unsere Herkunft und Zweck des Aufenthaltes zu einer für Touristen unüblichen Jahreszeit in Minnesota. Ziemlich unverhohlen flirtete er mit meiner Frau, was ich ihm wegen seiner fast leeren Bierflasche versuchte, nachzusehen.
Plötzlich outete er sich als Pilot und bot meiner Frau einen günstigen Rundflug in einem Gerät an, was er Flugzeug nannte. Ich hatte ein Spielgerät mit Münzeinwurf für Kinder vermutet und lauschte erstaunt seinen Ausführungen; wurde doch dieser Flugzeugtyp angeblich im Weltkrieg als Aufklärer eingesetzt. Zu meinem Entsetzen stimmte meine Frau begeistert zu und drückte mir Rucksack und anderen Ballast in den Arm und kletterte mit dem angetrunkenen Piloten in das Cockpit. Man selbst wird schief angeguckt, wenn man mit dem Nachbarn ein Bier zuviel trinkt, aber mit einem angetrunkenem Piloten für einen Rundflug zu starten ist unproblematisch.
Kurz nach dem Start verschwand das Flugzeug in einem Sturzflug hinter einem Hügel, ich wartete auf den Rauchpilz und formulierte gedanklich bereits die tröstenden Worte für meine Schwiegereltern, doch in einer scharfen Rechtskurve tauchte das Flugzeug wieder am Himmel auf.
Nach einer halben Stunde Flugzeit mit abenteuerlichen Flugmanövern landete der Pilot das Flugzeug wieder sicher.
Die Aufnahmen zeigen das typische Minnesota im frostreichen Winter 2000/ 2001, kurz nach der Schneeschmelze im April.