Rundreise Suedamerika

    Reisebericht Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay im Oktober/November 2007

    Bericht und Bilder: Dr. Frick/ Kassel (den Autor erreichen Sie hier per email)

    Besuchte Laender in Suedamerika

    Kartenmaterial: www.rastlos.com


    Nationalpark Torres del Paine in Patagonien


    In den USA mit Pferden arbeiten !

    Das fing ja gut an! 

    Geschlagene 2 Stunden stand der Iberia-Airbus zum Flug nach Madrid auf dem Startplatz. Wegen eines Schadens am Leitwerk hatte der Tower den Start in Frankfurt untersagt. Die Reparatur zog sich hin und in der Kabine wurde es unruhig. Wie unsere Gruppe wollten viele Südamerikaner ihre Anschlussmaschinen in Madrid nach Buenos Aires, Lima oder Sao Paolo erreichen. Da waren gute Nerven gefragt. Wir hatten Glück und konnten die riesigen Entfernungen im neuen Terminal in Madrid gerade noch bewältigen, um den Flieger nach Buenos Aires zu besteigen. Andere hatten Pech und telefonierten schon mit diversen Madrider Hotels, um eine ausserplanmässige Übernachtung zu organisieren.

    Stadtviertel in Buenos Aires

    Zwei Tage zog uns die argentinische Millionenmetropole Buenos Aires in ihren Bann. Nach ausgiebigen Stadterkundungen zu Fuss und mit dem Fahrrad verbrachten wir noch einen halben Tag im Tigres-Delta, der amphibischen Landschaft bevor sich das Fluss-System zum gewaltigen Rio de la Plata verbreitert.

    Mit einem luxuriösen Schlafbus starteten wir am Abend auf die 1000 km-Strecke quer durch den Kontinent nach Mendoza, der Hauptstadt des Weinanbaugebietes am Ostfuss der Anden. Halbwegs ausgeschlafen erlebten wir die Fahrt auf schnurgerader Strasse auf den letzten 100 km durch Halbwüste, bis ein Streifen Grün am Horizont die bewässerte Oase um Mendoza ankündigte. Nachdem wir uns in einem gemütlichen Stadthotel einquartiert hatten, folgten Stadtrundgang und erstes Schnuppern und Schlürfen in den grossen und kleinen Weingütern der Umgebung. Mehr als tausend sollen es in dem Gebiet sein! Die heutigen Besitzer sind häufig Nachfahren von Einwanderern aus Deutschland, Frankreich oder Italien. Im benachbarten Städtchen San Carlos genossen wir die Gastfreundschaft der Einheimischen und bewegten uns überwiegend auf landestypische Art zu Pferd, in der Kutsche oder zu Fuss. In einem privaten Gästehaus auf dem Land, zwischen Weingärten und blühenden Obstbäumen bezogen wir Quartier. Die schönen Tage gingen viel zu schnell zu Ende.



    Broterwerb in Santiago de Chile 

    Den ersten Anlauf zur Überquerung der Anden mit dem Kleinbus in Richtung Santiago de Chile vereitelte ein Steinschlag, der unseren Kühler demolierte. Auf den dortigen Schotterstrassen nicht selten aber nicht so häufig wie kreuz und quer gerissene Windschutzscheiben. Unser Fahrer blieb gelassen, kehrte um und bastelte in weniger als 1 Stunde einen Ersatzkühler zusammen. Die aufregende Fahrt durch die Anden konnte beginnen. Grandiose Gebirgslandschaften, der mit knapp 7000 m höchste Berg des amerikanischen Kontinents Aconcagua und abenteuerliche Passüberquerungen auf serpentinenreichen Strecken erwarteten uns. Wir hatten auf unserern bisherigen Andenfahrten nie das Glück gehabt, einen Kondor zu sichten. Jetzt entdeckten wir ein halbes Dutzend hoch am Himmel schwebend, während wir uns der chilenischen Grenze näherten. Das in Südamerika häufig nervige Grenzübertrittspektakel wurde von den Chilenen um die Variante Gepäck-Kontrolle bereichert. Ansonsten die üblichen furchteinflössenden Formulare mit mehreren Durchschlägen und ein gewichtiger Stempel, der trotz des kräftigen Drucks der Zöllnerhand unleserlich bleibt. Irgendwie scheinen die Beamten bei der Ausreise dann aber doch etwas zu entziffern, denn der Gesichtsausdruck verrät Erkenntnisse von erheblichem Gewicht.

    Fischmarkt in Santiago de Chile

    Wir kannten Santiago von früheren Reisen und genossen das Wiedersehen und Wiedererkennen. Das alte Übel, der graubraune Dunstschleier vor der Andenkulisse schien uns etwas gemildert, aber vielleicht war es auch die Frühlingsluft, die ihn durchlässiger erscheinen liess.

    Punta Arenas, im Hintergrund Feuerland und Magellan-Strasse

    Beim knapp 4-stündigen Flug in den tiefen Süden Chiles genossen wir fast 2000 km Anden, die westlich vorgelagerten Fjordlandschaften und die in der Sonne weissglänzenden patagonischen Eisfelder. Die böigen Winde bei der Landung auf dem Flughafen von Punta Arenas mit dem opulenten Namen "Carlos Ibanez des Campo" jagten uns doch einigen Schrecken ein, wurden aber sicher gemeistert. Herrlich war die Aussicht über das Städtchen und die Magellan-Strasse bei kristallklarer Luft. Der Frühling war hier noch nicht sonderlich zu spüren, obwohl wir auf 53 Grad südlicher Breite standen, was etwa der geographischen Lage Berlins auf der Nordhalbkugel entspricht. Nach einem kurzen Besuch der Pinguinkolonie am Otway-See, der eine nach Norden abzweigende Erweiterung der Magellan-Strasse darstellt, ging es durch endlose patagonische Steppe am Ostrand der hier im tiefen Süden allmählich zum Mittelgebirge "verkümmerten" Andenausläufer nach Puerto Natales. Das kleine Hafenstädtchen hat etwa 7000 ständige Einwohner, wird aber im Sommer von bis zu 30.000 Besuchern der grandiosen Gletscher-und Berglandschaft bevölkert und ist Ausgangspunkt und Versorgungsstützpunkt für Trecking-Touren im naheglegenen Nationalpark Torres del Paine. 

    Auf dem Weg dorthin sollte eigentlich eine mehrstündige Bootsfahrt auf dem Fjord mit dem verheissungsvollen Namen "Fjord ohne Wiederkehr" stattfinden. Die wurde aber wegen des hohen Wellengangs bei Starkwinden abgesagt. Dafür brachte uns unser Kleinbus auf abenteuerlicher Schotterpiste zum Gletscher Serrano, dessen Zungenende sich bis in das mal türkisblaue mal milchkaffeefarbene Wasser erstreckt. Im Fjord treiben dann die ständig herabbrechenden grossen und kleinen Eisklötze an die Ufer, laufen auf Grund und schmelzen langsam vor sich hin. Trotz des Wellengangs riskierten wir eine Erkundungsfahrt mit dem Motorboot bis dicht an den Eisrand. Etwa 100 m davor stoppten die Maschinen, näher ist nicht erlaubt. Es hat schwere Unfälle gegeben, da beim Abbrechen des Eises Eissplitter wie gläserne Geschosse durch die Luft fliegen.

    Gletscher in Argentinien

    In den folgenden Tagen bezogen wir Unterkunft in einem komfortablen Ressort-Hotel im Nationalpark Torres del Paine. Die grossartige Berglandschaft mit ihren schroffen, wie Pfeiler aufragenden Gipfeln, unverbauten Wildbächen, den glänzenden Schneefeldern und Gletscherseen zeigte sich mal im strahlenden Sonnenlicht, mal düster und wolkenverhangen. Auf einer mehrstündigen Wanderung erlebten wir dieses grandiose Naturschauspiel hautnah.

    Gletscher Serrano Puerto Natales/ Argentinien.

    Nächstes Ziel war der Lago Argentino mit dem berühmten Gletscher Perito Moreno. Zuvor war die Grenze nach Argentinien südlich der Stadt El Calafate zu überwinden. Die Chilenen haben eine gute Strasse bis kurz vor den Grenzverlauf gebaut, die Argentinier hatten es aber damit nicht sonderlich eilig. Die chilenische Nationalstrasse 9 müsste auf argentinischer Seite um knappe 30 km verlängert werden. So fuhren wir einen mehrstündigen Umweg durch die argentinische patagonische Ebene, vorbei an einigen Estancien, auf deren mehrere tausend Hektar Weideland Schafe zu Hause sind. Bis auf einige Gauchos zu Pferd keine Menschenseele weit und breit, dafür Wind, Wind und nochmals Wind.

    El Calafate ist Ausgangspunkt für die Tour zum Gletscher entlang dem Lago Argentino. Der Gletscher bewegt sich über einen Fjord hinweg auf eine Halbinsel zu. Alle paar Jahre riegelt das Eis den südlichen Fjordausläufer ab und es entsteht ein Stausee, dessen Wasserspiegel über das allgemeine Fjordwasser ansteigt. Irgendwann wird der Wasserdruck so stark, dass die Eisbarriere mit grossem Getöse zusammenbricht und der abgeriegelte See ausläuft. Dieses weltberühmte Spektakel haben wir leider nicht erlebt, aber den Gletscher vom Schiff aus und vom gegenüberliegenden Aussichtspunkt eingehend bewundert.

    Klimawandel: Schmelzender Gletscher P. Moreno gibt Felsuntergrund frei Gletscher Serrano Puerto Natales/ Argentinien

    Per Flugzeug verabschiedeten wir uns aus El Calafate und dem eisigen Süden und landeten nach einigen Stunden in Buenos Aires, bezogen unser bekanntes Hotel im Zentrum und bereiteten uns auf die nächsten Reiseabenteuer vor. Der Frühling war in den wenige Wochen weit fortgeschritten und in der Garderobe wurden Pullover und Wollmütze gegen luftige Baumwolle und Leinen getauscht. Den Rat der Reiseleitung, uns mit ausreichenden Vorräten an Mückenschutz zu bewaffnen, befolgten wir natürlich, wollten wir die nächsten Tage doch in der Provinz Entre Rios zwischen dem Rio Uruguay und dem Rio Paraná, den Iberá-Sümpfen und schliesslich im subtropischen Iguazu verbringen. Nach zügiger aber stundenlanger Fahrt auf der Schnellstrasse 14 entlang dem Rio Uruguay durch Weideland und schliesslich endlose Eukalyptus- und Pinienplantagen erreichten wir die Stadt Mercedes in Corrientes, im südlichen Vorland der Esteros del Iberá. Hier tauschten wir den Kleinbus gegen Geländefahrzeuge zur zweistündigen Fahrt auf schwerer Piste nach Carlos Pellegrini, einer kleinen Siedlung am Rand des Naturschutzgebietes. Im gleichnamigen Hotel am Siedlungsrand wurde Quartier bezogen. Tags darauf standen eine Wanderung und eine Bootsfahrt durch die Sümpfe auf dem Programm. Die berühmten Wasserschweine, die keine Schweine sondern die grössten Nagetiere der Erde sind, Brüllaffen, Kaimane und eine unüberschaubare Fülle von fliegendem Getier waren unsere ständigen Begleiter durch subtropischen Wald und endlose Flachwasser mit schwimmenden Inseln und scheinbaren festen Ufern, die aber nur grosse, auf dem Wasser schwimmende Inseln aus dicht verfilzten Wasserpflanzen waren. Sogar der seltene argentinische Sumpfhirsch, entfernter Verwandter unserer Rothirsche, ist in dieser amphibischen Landschaft heimisch und war pünktlich zum Fototermin zur Stelle. Was für ein Glück! Ein deftiges Grillessen mit vorzüglichen argentinischen Weinen am Abend bescherte uns schliesslich eine recht kurze Nacht. Die brachte neben Tiefschlaf heftige Regenfälle, die unsere Wege in tiefe Schlammpisten verwandelt hatten. Selbst die Geländefahrzeuge hatten Mühe, die stellenweise fast metertiefen Schlammassen zu bewältigen. Statt der geplanten 2 waren wir 4 Stunden unterwegs nach Nordosten – in Richtung Iguazu, dessen Wasserfälle ein weiterer Reisehöhepunkt werden sollten.

    Wasserfall Iguacu im Grenzbereich Brasilien-Argentinien Wasserfall Iguacu im Grenzbereich Brasilien-Argentinien

    Unser Etappenziel dorthin war die Stadt Eldorado. Sie war ursprünglich eine deutsche Kolonie, die von Auswanderern nach dem 1. Weltkrieg gegründet wurde. Später siedelten andere Europäer hier, die Stadt wuchs und entwickelte sich vom Dorf im Regenwald zu einer ansehnlichen, lebhaften mittelgrossen Stadt. Wir bezogen Quartier bei einer deutsch-argentinischen Familie, besuchten das Stadtmuseum und rüsteten uns zum nächsten Ziel.




    Die Cataratas del Iguazu zählen zu den grössten Wasserfällen des Globus und liegen im Flussverlauf des Iguazu, einem Nebenfluss des Rio Parana. Drei Tage hatten wir für die ausführliche Besichtigung dieses imposanten Naturschauspiels zur Verfügung. Die Fälle liegen im Grenzgebiet Brasilien/Argentinien. Während man von der brasilianischen Seite einen guten Überblick über die zahlreichen grossen und kleinen Fälle hat, sind auf der argentinischen Seite die einzelnen Fälle auf langen Stegen begehbar und man bekommt einen Eindruck von der Grossartigkeit und Wucht der tosenden Wasser. Erstaunlich, wie sich ein harmlos dahinfliessender subtropischer Fluss plötzlich verbreitert und kurz darauf in Dutzenden von Kaskaden in die Tiefe stürzt. Leider sind sich die beiden Länder nicht einig, für Touristen das Ganze ohne Grenzübergangsformalitäten begehbar zu machen. Auch hier wiehern die Amtsschimmel kräftig.

    Am Abend bestiegen wir den Linienbus nach Asuncion, der paraguayischen Hauptstadt, passierten mit den üblichen Formalitäten die Grenze und erreichten am nächsten Morgen die Stadt. Nach 2 Tagen in der schönen Umgebung und interessanten Stadt flogen wir nach Montevideo, der Hauptstadt des Nachbarlandes Uruguay. Welch ein Kontrast. Montevideo ist eine turbulente, moderne südamerikanische Metropole, während Asuncion eher den Eindruck einer etwas verschlafenen Provinzstadt macht. Wenige Kilometer vor der Hafeneinfahrt entdeckten wir die Mastspitze des versenkten Kreuzers Graf Spee aus dem Wasser ragend, der im letzten Krieg sein Südatlantikabenteuer durch Selbstversenkung beendet hatte, nachdem er von britischen Verbänden angeschlagen in neutralen uruguayischen Gewässern Zuflucht gesucht hatte.

    Kurzer Stop nach anstrengenden Gelaendetouren in Paraguay



    Natürlich stand neben der ausführlichen Stadtbesichtigung mit ihrer grossartigen Uferpromenade Rambla entlang dem Rio de la Plate ein Ausflug nach Punta del Este, dem mondänen Seebad am Antlantik mit seinen Yachthäfen, den Luxus-Villen der ganz Reichen und 5-Sterne-Hotels auf dem Programm. Aber auch die Elendsviertel am Stadtrand Montevideos bleiben uns nicht verborgen. Man braucht nur die Strasse im Diplomatenviertel zu überqueren. Auf der einen Seite die Prachtbauten, von Securities und Hunden hinter hohen Zäunen oder undurchdringlichen Hecken geschützt, auf der anderen Seite ein kloakenähnlicher Graben, verwahrloste Kinder, Strassenköter und Hütten aus allen Materialien, die Menschen in den Abfällen am Strassenrand oder am Strand zusammengeklaubt haben. Am Strassenanfang ein Wachhäuschen mit einem Uniformierten, der unseren Fahrer kannte und mit einem kurzen Gruss die Durchfahrt ohne pingelige Befragung gestattete. Wir waren froh, solch beklemmenden Begegnungen bald entrinnen zu können.


    Pferdejobs im Ausland


    Es waren unsere letzten Stunden in Südamerika und uns bewegte eigentlich nur noch die Frage, wie wir unsere letzten uruguayischen Pesos los werden sollen. Unser Fahrer, seine Eltern sind noch vor seiner Geburt aus Wien eingewandert und das Wienerische klingt in seinem mittelprächtigen Deutsch doch immer mal wieder an, war dankbarer Abnehmer. Ein letztes Mal wurde die Reisekasse strapaziert und die Ausreisegebühr von 29 US Dollar pro Nase kassiert. Dann hob der Flieger ohne Verzögerung in Richtung Madrid ab.


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