Südafrika - Reisebericht

  

      Dieser Reisebericht wird mit freundlicher Genehmigung von Rebecca Bernshausen nach einer Südafrikareise im Juni 2005 veröffentlicht.

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      Erfahrungsbericht Süd Afrika von Rebecca Bernshausen

      „Warum Süd Afrika“? fragten mich meine Eltern damals. Selbst ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht genau, warum ich dort einige Monate als Austauschschülerin verbringen wollte.

      Heute würde ich wohl antworten: „weil Süd Afrika das wunderschönste Land ist, das ich je gesehen habe“.

      Natürlich wurde ich von allen möglichen Leuten vor dem gefährlichen Johannesburg gewarnt. Wie kriminell diese Stadt ist, was alles passieren kann. Trotzdem ließ ich mich nicht abschrecken und so reiste ich im Juni 2005 nach Süd Afrika/ Johannesburg.

      Ich war von Süd Afrika vom ersten Augenblick an beeindruckt .Jeder Baum schien mich beeindrucken zu können. Alles war so anders. So schön. Selbst die Sonne schien anders, der Himmel sah blauer aus.

      Auf dem Weg von Johannesburg nach Pretoria, wo meine Gastfamilie wohnte, beobachtete ich die Autos auf der Autobahn. Schon dort fielen mir die Gegensätze auf. Es gab Schrottautos, die wohl nur noch mit viel Glück fuhren, es gab die berühmten Taxen, die bis zum Rand voll waren mit Menschen. Und dann gab es die schönsten Luxusautos.

      Auf dem weg nach Pretoria kamen wir auch an einem Township vorbei. Es war ein schockierender Anblick. So viel Armut hatte ich selten gesehen. Nur Plastikplanen bedeckten die Hütten der Menschen.

      Schnell war mir klar, dass Süd Afrika auch ein Land der Gegensätze ist. Neben Schönheit der Natur herrscht  Gewalt und Kriminalität. Neben Luxusvillen leben die Menschen in Plastikhütten, ohne Wasser und Strom.

      Meine Gastfamilie gehörte eher zu den Wohlhabenden. Sie Hatten eine Hausangestellte, die für sie kochte, Wäsche wusch und den Haushalt führte.

      Das Haus war von einer hohen Mauer umgeben, eine Alarmanlage schützte vor Dieben.

      Das erste, worüber meine Gastfamilie mit mir sprach war die allgemeine Situation in Süd Afrika: die Gewalt und Kriminalität.

      Sie erzählten mir, dass vor einer Woche im Park (der Park war 5 Minuten von uns entfernt) ein Mann umgebracht worden war. „Ein Weißer von einem Schwarzen“, so sagten sie.

      Dann kam noch etwas, das mir große Angst einjagte. Eine Bekannte der Familie wurde einen Monat vor meiner Ankunft Tod im Badezimmer aufgefunden. Der Täter war wohl unbemerkt durchs Fenster gestiegen, tötete die Frau um anschließend ihr Auto zu klauen.

      Ich war schockiert und erste Zweifel kamen auf, ob ich hier wirklich richtig am Platz war.

      Zu wissen, dass zwei Morde in kürzester Zeit geschehen waren und noch dazu so nah von uns, ließen mich Nachts bei jedem kleinsten Geräusch hochschrecken, vor allem in den ersten Wochen. Zum Glück hatte die Familie einen Wachhund.

      Gleich am ersten Tag ging ich mit meiner Gastschwester zur Schule. Es war eine große Schule. Jeden morgen versammelten sich alle Schüler um zusammen einen Spruch aufzusagen. Ich verstand ihn nicht, da er auf Afrikaans war. Aber er diente der Gemeinschaft.

      Die Lehrer waren alle sehr nett. Der Unterricht war vom Niveau her sehr hoch. Ich fand mich schnell gut zurecht.

      Auch allgemein lebte ich mich in Süd Afrika schnell ein. Ich gewöhnte mich daran, dass ich alleine nicht auf die Straße durfte, nicht einmal tagsüber. Es war zu gefährlich. Man musste mit allem rechnen: überfallen zu werden, beklaut zu werden, angegriffen zu werden. Deshalb war ich immer nur mit der Familie unterwegs.

      Wir unternahmen eigentlich jedes Wochenende etwas. Einmal waren wir wildcampen, in der Nähe der Drakensberge. Es war ein sehr tolles Erlebnis. Man konnte jeder Zeit einem wilden Tier über den Weg laufen. Einem Löwen bin ich persönlich nicht begegnet; jedenfalls nicht während des Wildcampens. Allerdings traf ich auf einen riesigen Strauß, der genau vor meinem Zelt nach Futter suchte. Ich bekam im ersten Moment einen Schock, der Strauß war größer als ich (zum Vergleich: ich bin 1,73m). Er schaute mich nur etwas verwirrt an, legte den Kopf schief und drehte mir dann seinen netten Rücken zu. Dann war er auch schon weg.

      Die Landschaft in Süd Afrika hat mich auch sehr beeindruckt. Sie ist einfach wunderschön. Unendlich weit. Auf mich wirkte sie beruhigend. Ich konnte immer ewig nur in die Ferne blicken.

      Ich könnte so viel von Süd Afrika erzählen aber es ist nicht einfach, das schönste und interessanteste auszusuchen.

      Auf den Strassen begegneten wir immer wieder armen Leuten, die Ihr Obst an alle vorbeifahrenden Personen verkaufen wollten (nicht ungefährlich!!).

      Das passierte einem überall. Auch an den Straßenrändern saßen Menschen, um ihre Holzgiraffen und Holzelefanten zu verkaufen. Am Anfang verlangten sie immer viel zu viel für eine Figur. Am Ende zahlte man ein drittel und gab trotzdem etwas mehr. Von diesen Einnahmen versorgen viele ihre ganze Familie. Es ist unvorstellbar finde ich. Hierbei handelte es sich immer um Schwarzafrikaner.

      Da mein Gastvater Rechtsanwalt ist, begleitete ich ihn einmal zur Arbeit. An diesem Tag hatte er im Gericht zu tun und so ging ich mit ihm zum Gericht in Pretoria. Dort herrschen andere Regeln als in Deutschland. Die Verurteilten waren barfuss und sowohl an den Füßen als auch an den Händen in Ketten. Von den Verhandlungen an sich (ich war in 3 Verhandlungen) verstand ich nichts, da sie in Afrikaans abgehalten wurden. Trotzdem war der Tag im Gericht sehr aufregend und einmalig. Hinterher teilte mir mein Gastvater mit, dass es sich in 70 % der Verhandlungen um Mord handelt.

      Ich war froh, als ich an diesem Tag wieder Zuhause war.

      Wochentags ging ich zur Schule, die erst am Nachmittag aus war. Da ich im Südafrikanischen Winter angereist war, war es nicht zu heiß aber trotzdem angenehm warm. Während der Wochentage gab es nicht viel zu unternehmen. Manchmal gingen wir mit der Mutter einkaufen (alleine durften wir ja nicht) oder ins Kino. Ansonsten gab es nicht viele Möglichkeiten. Ab Freitagmittag sah die Sache anders aus. Spätestens um 13 Uhr fuhren wir immer irgendwohin. Einmal auf einen Afrikanischen Markt in Johannesburg. Der Markt war riesig. Es gab alles, was man sich unter Afrika vorstellt: bunte Tücher, Gewürze, Holzschnitzereien, Schmuck, Essen und viel mehr. Wir verbrachten dort einen Tag und haben trotzdem nicht alles gesehen.

      Solche Märkte findet man eigentlich überall, nur nicht in der Größe. Wer in Süd Afrika ist, muss einen solchen Markt unbedingt gesehen haben.

      Von Johannesburg an sich finde ich nicht so viel, worüber ich erzählen kann. Es ist eine normale Großstadt. Viele Menschen, viel Unruhe, viele Autos. Viel Smog.

      Leider habe ich es nicht geschafft, nach Kapstadt zu fahren. Dafür war keine Zeit.

      Dafür war ich im wunderschönen Clarins. Dies ist ein kleines Dorf, in dem viele Südafrikanische Familien ihre Wochenenden verbringen. Auch meine Gastfamilie hat dort ein Haus und so fuhren wir ziemlich am Ende meines Aufenthalts dorthin. Meine Gastschwester meinte, einmal wäre auch Brad Pitt mit Angelina Jolie dort gewesen. Wie dem auch sei, ich fand es natürlich sehr schön dort. Sehr persönlich alles, kleine Geschäfte, ein schönes Restaurant und sehr nah an der Wildnis Afrikas. Natürlich machten wir uns am morgen schon sehr früh auf den Weg (4:30) um wilde Tiere zu sehen. Wir waren auch erfolgreich und sahen gleich am Anfang Hyänen. Später trafen wir auf eine Elefantenherde mit Jungen. Hier mussten wir aufpassen, denn gerade wenn Elefanten Nachwuchs haben, fühlen sie sich schnell angegriffen. Ich hätte die Hand ausstrecken können, um die Elefanten zu berühren; aber das habe ich dann lieber nicht getan. Nur von weitem sahen wir einige Löwen. Sie lagen gemütlich im Schatten eines Baumes und dösten vor sich hin. Am Ende des Tages kamen wir noch an einer Herde von Büffeln vorbei. Mit Zebras und Giraffen ist es so: man sieht sie so oft, dass man am Ende nur noch sagt: „ach, schon wieder ein Zebra, erzähl mir was anderes“. So schnell gewöhnt man sich daran. Ach ja, ein Nilpferd haben wir auch gesehen. Aber nur aus sicherer Entfernung, da diese Tiere als sehr gefährlich gelten. Das Nashorn, das ich so gerne gesehen hätte, versteckte sich an diesem tag vor mir. Aber es gab ja noch andere Gelegenheiten..

      Am nächsten Tag machten wir uns wieder auf den Weg zurück nach Pretoria. Als wir etwa eine Stunde unterwegs waren, sahen wir schon von weitem etwas weißes quer auf der Straße liegen. Als wir näher kamen sahen wir, um was es sich handelte: ein Taxi, voll beladen von Afrikanern war mit einem anderen Auto zusammengekracht. Auf der Straße lagen überall verletzte Menschen. Der Unfall war eben passiert. In dem Moment habe ich nicht verstanden, warum die Familie einfach weiter fuhr, ohne zu helfen. Aber in Afrika gelten andere Regeln. Man weiß nie, wie schnell man sich in einer unvorhersehbaren Gefahr befindet. Nach weiteren zwei Stunden, kamen uns endlich Rettungsfahrzeuge entgegen. Wahrscheinlich zu spät.

      Nach mehr als zwei Monaten war mein Aufenthalt in Süd Afrika zu ende. Ich war traurig und die Überraschungsparty zu meinem Abschied machte es mir nur noch schwerer zu gehen.

      Ich hatte schon in Deutschland für die letzten drei Tage meines Aufenthalts eine Safari gebucht. Nun war es soweit. Meine Familie brachte mich nach Johannesburg. Schweren Herzens nahm ich Abschied und freute mich gleichzeitig auf das bevorstehende Abenteuer. Ich wurde mit acht weiteren Jugendlichen von einem Mann abgeholt, der uns zum Krüger Nationalpark fuhr. Die Fahrt schien sich ewig hinzuziehen. Nach fünf Stunden waren wir endlich angekommen. Kaum angekommen ging es auch schon auf Tour. Es war bereits früher Abend; die beste Zeit, um auf Löwen zu stoßen, denn dann fangen sie an zu jagen.

      Wir hatten Glück: nach nur kurzer Zeit fuhren wir an einer Herde von Löwen vorbei; auch sie hatten mind. drei Junge. Schnell fühlten sie sich bedroht. Es war ein komisches Gefühl, sie so laut brüllen zu hören.

      Obwohl nicht die Zeit für Stechmücken war, musste ich etwas gegen Malaria einnehmen; das war Pflicht, um diese Safari machen zu können. Schon in Deutschland hatte ich mir die Tabletten gekauft um sie jetzt einzunehmen. Leider halfen die Tabletten nicht gegen Spinnenbisse. Am nächsten morgen wachte ich mit einem total roten und dicken Zeh auf. Der Zeh war sehr angeschwollen und tat weh. Ich fragte unseren Tracker (er ist spezialisiert auf Tierspuren aber ich dachte, er kennt sich auch mit angeschwollenen Zehen aus;)) und er meinte, es sei ein Spinnenbiss. Zum Glück passte ich noch in meinen Schuh.

      An diesem Tag gingen wir morgens wieder auf Tiersuche, Nachmittags gingen wir sogar zu Fuß ein Stück in die Wildnis; es war sehr aufregend die ganzen Tierspuren zu sehen und genau dort zu gehen, wo sich die wilden Tiere aufhielten. Wir mussten ganz leise sein, um die Tiere nicht zu erschrecken. Einem Tier begegneten wir nicht persönlich. Nur ein paar Zebras kreuzten in einiger Entfernung unseren Weg.

      Nach längerer Zeit in Süd Afrikas ist eine Giraffe, die Plötzlich vor deiner Hütte aufkreuzt und an einem Baum nascht keine Seltenheit. Trotzdem: ich hatte noch keinen Jaguar und noch kein Nashorn gesehen. Das sollte sich noch an diesem Tag ändern: um fünf ging es erneut auf Tour mit dem Geländewagen. Ich saß ganz vorne, neben dem Fahrer. Er hatte uns versprochen während des Aufenthalts „the big five“ zu sehen: Jaguar, Nashorn, Löwe, Büffel, Elefant. Alle hatte ich, bis auf diese Zwei Kandidaten. Per Funk wurden wir von einem anderen Tracker informiert, wo sich angeblich das nette Nashorn aufhielt. Wie fuhren weg vom Pfad in die pure Wildnis. Wir blieben stehen und Fahrer und Tracker verließen den Wagen. Sie meinten nur zu uns, dass wir das Auto auf keinen Fall verlassen sollen. Und schon waren sie weg. Ein wenig verlassen kam ich mir vor, obwohl wir zu acht in dem Auto waren. Selbst eine gemütlich vorbeischlendernde  Giraffe konnte mich nicht begeistern, denn ich hatte Angst, dass Plötzlich ein Löwe auftaucht. Nach 15!! Minuten Angst in der Wildnis kamen die beiden mit nicht sehr erfreutem Gesicht zurück. Kein Nashorn. Schade. Aber wir gaben nicht auf. Inzwischen war eine Stunde vergangen und außer Giraffen und Zebras und Gazellen hatten wir noch nicht viel gesehen. Doch das änderte sich sehr schnell. Plötzlich tauchte direkt vor uns ein Nashorn auf. Und dann noch eins, und noch eins! Insgesamt vier Nashörner standen gemütlich neben einem Baum und fraßen. Ein echt schöner Anblick. Nichts schien sie aus der Ruhe bringen zu können.

      Einen Jaguar sahen wir an diesem Abend nicht mehr. Dafür einen tollen Sonnenuntergang und eine Eule.

      Die letzte Nacht in Südafrika war für mich angebrochen. Ich schlief voll von neuen Eindrücken und Erlebnissen ein und wachte mitten in der Nacht auf. Es war zwei Uhr. Ich war von einem Geräusch geweckt worden und jetzt hörte ich es ganz deutlich: es waren Löwen die um meine Hütte schlichen und brüllten! Ich hatte wirklich Angst, obwohl die Hütte zugeschlossen war. Alle möglichen Phantasien gingen mir durch den Kopf. Ich hätte mit allem, aber nicht mit Löwen gerechnet.

      Gleich am nächsten Morgen suchte ich nach den Spuren der Löwen. Die anderen Teilnehmer der Safari hatten sie auch schon entdeckt: sie waren überall auf dem Gelände zu sehen; auch um meine Hütte herum.

      An diesem Morgen sah ich dann endlich noch den Jaguar. Er döste in der Vormittagssonne.

      So gingen zehn wunderschöne Wochen in Süd Afrika für mich zu Ende.

      Rebecca Bernshausen


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