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Bolivien

     

    Dieser Reisebericht wurde verfasst von Dr. Frick/ Kassel

    Reisebericht Chile-Bolivien vom 17. Oktober bis 06. November 2005

    bolivien
    Die Bilder lassen sich durch einen "Klick" vergrößern.

    Mitte Oktober – Frühling auf der Südhalbkugel.

    Nach 13stündigem Flug, etwas wackelig auf den Beinen empfängt uns warmer Südwind und wir ahnen die Millionenmetropole Santiago weit hinten im graubraunen Smog. Nichts zu sehen von den Schneegipfeln der Anden, die wir beim Anflug noch so bestaunt hatten und die auf jeder Postkarte hinter der Stadtsilhouette aufstrahlen.

    Stadtbesichtigung mit dem üblichen, für südamerikanische Metropolen typischen Inventar : Plaza, Präsidentenpalast, Zentralbank, eine den Ramblas in Barcelona nachempfundene Fussgängerzone, Parks, Markthallen, als Besonderheit eine stattliche Rennbahn mit ausgedehnten Stallungen, Kirchen etc. Wir sind müde und sehnen uns nach Hotelbetten, verabreden aber mit unserem Führer, einem in Bielefeld geborenen und aufgewachsenen Chilenen für den nächsten Tag eine Fahrt nach Valparaiso, ca 80 km nördlich am Pazifik.

    Die ausgedehnten Vorstädte und Wohnsiedlungen am Nordrand der Stadt passieren wir auf einer schmucken Autobahn. Eine parkähnliche Landschaft mit ausgedehnten Obst- und Weingärten in der flachen Ebene, eingerahmt von steinigen, meist vegetationslosen Bergen liegt schliesslich vor uns in strahlender Frühlingssonne. Nach einer knappen Stunde erreichen wir die Küste und den Hafen von Valparaiso. Unser Führer ist gefordert und beschreibt wundersame Stadtviertel hoch oben an den Hängen des Küstengebirges und die wunderbare Aussicht auf die Küste und den Hafen. Wir sehen nichts, dicker Küstennebel quillt von der See gegen die Berghänge auf, nur kurze Augenblicke lichtet sich der Himmel und wir können andeutungsweise die wirklich abenteuerliche Bauweise an den steilen Hängen oberhalb des Hafens sehen. Die oberen Stadtviertel sind denn auch nur über steile, enge Gassen, endlose Treppenanlagen oder klapperige Schrägaufzüge mit Holzkabinen erreichbar. Immerhin finden wir im Gasen- und Treppengewirr eines der Wohnhäuser von Pablo Neruda, dem chilenischen Literaturnobelpreisträger von 1971, das heute ein Museum ist. Inventar, Möbel, Bilder, zahllose Erinnerungsstücke aus seiner Diplomatenzeit sind in den zahlreichen Zimmern, Gängen, Treppenaufgängen zu besichtigen.

    An der Küste hat sich der Nebel inzwischen etwas gelichtet, wir fahren in die Nachbarstadt Villa del Mar und geniessen bei herrlicher Küstenaussicht ein Mittagessen samt sprichwörtlich excellentem chilenischen Wein. Nach diesen mehr südeuropäisch denn südamerikanisch anmutenden Eindrücken besteigen wir am nächsten Morgen die Maschine der LAN Chile, die uns nun in den abenteuerlichen Teil der Reiseroute bringen soll. Flugziel ist Calama in der nördlichen Atacama-Wüste.

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    Unter uns gelbgrau, mal flach, mal hügelig, mal stark erodierte Trockentäler, die irgendwann, vielleicht alle 20 Jahre mal die "Fluten" aus den Schneefeldern der Anden zum Pazifik tragen, die Wüste, rechter Hand die ersten Ketten der Anden mit ihren Vulkanen. Wir bekommen einen ersten Eindruck von der wohl trockensten Wüste der Erde. Dann tauchen im Wüstengelb silbrig-grau glänzende Salare (Salzseen) auf. Mal kleine, mal grössere Flächen, glatt, flach mit schnurgeraden Pisten, die wie dünne Bleistiftlinien von Ufer zu Ufer gezogen erscheinen. Siedlungen sind nicht auszumachen, 900 km menschen-und lebensfeindliche Wüste liegt da unter uns.


    Etwas verloren steht unser 2strahliger Jet inmitten der Wüste, die Landebahn ist wohl etwas kurz geraten, mächtig dröhnend bremsen die Turbinen, uns drückt es gewaltig aus den Sesseln. Im kleinen Empfangsgebäude empfängt uns Uli mit Fahrer. Der erste Weg führt zum kleinen aber schmucken Museum von Calama. Erst jetzt spüren wir das Wüstenklima, trockener Wind und stechende Sonne, staubige Luft und nur unsere Hüte bewahren uns vor dem Schlimmsten. Die Lippen sind im Nu trocken und rissig, die Wasserflasche, das lernen wir schnell, muss stets griffbereit sein. 4-5 Liter täglich hat man uns als unbedingtes Muss eingebleut. Am Rand der Stadt, etwa so gross wie Kassel, eine überdimensionale Halle mit Supermärkten wird umgehend aufgesucht, um Wasservorräte zu beschaffen. Danach durch baumlose, staubige Strassen durchs Stadtzentrum, vorbei an endlosen Häuserreihen, meist einstöckig und stets von einer hohen Mauer mit verschlossenem Tor umfriedet hinaus nach Chuquicamata.

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    Der Welt grösster Kupfertagebau, fast 1000 m tief, über 4 km lang und ca 3 km breit. Ein ordentliches Loch, extrem staubig und Arbeitsplätze für fast 18000 Menschen. Die leben zur Zeit noch in der nahegelegenen Stadt, die aber für Abraumkippen weichen muss. Das Krankenhaus ist schon überschüttet. Eine Geisterstadt also. In Calama werden neue Stadtviertel gebaut, um die Leute unterzubringen. Die Lebenserwartung ist niedrig, der Verdienst 3mal so hoch wie im Landesdurchschnitt. Silikose ist eine weit verbreitete Krankheit. Man sagt, dass mehr als 8 Jahre im Kupfertagebau nicht von vielen überlebt werden. Um die Menschen bei der Stange zu halten, sind medizinische Betreuung, Schulen etc. kostenlos. Dafür ist die Landschaft hochgradig vergiftet. Neuerdings werden die alten Halden wieder mit Schwefelsäure ausgelaugt, um Kupfer, Molybdän, Arsen, Zink zurückzugewinnen. Die Brühe läuft munter in die benachbarten Bäche. Uns graust es und wir sind froh, als das Signal zum Aufbruch kommt.

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    Der Weg geht nach Osten, quer durch die Atacama-Wüste und allmählich in die Höhe. San Pedro de Atacama ist unser Ziel. Das Städtchen ist schnell gewachsen, aus einer kleinen Oasensiedlung ist ein quicklebendiges Touristennest geworden. Überwiegend aus Adobe, dem landesüblichen Lehmziegel erbaute Häuschen entlang staubiger Strassen in Gluthitze, alle Grundstücke mit Lehmmauern umgeben, über die Akazien ihre knorrigen Äste ragen lassen. San Pedro ist eine Flussoase mit künstlicher Bewässerung aus einem Flüsschen inmitten karger Wüstenlandschaft. Das Wasser wird über zahlreiche Kanäle mehrmals am Tag zu festen Zeiten mittels Schleusen in kleinen Kanälen auf die Felder geleitet. Jeder Eigentümer muss sich dabei an die Vorgaben eines "Wassermeisters" halten, der den Zeitpunkt und die Dauer des Abflusses bestimmt. In Ortsmitte eine hübsche Plaza mit alten Pfefferbäumen, Post, Bürgermeisteramt, Polizeiposten und Bank. Eine hübsche Kirche mit Holzgebälk aus Kakteenholz, dessen Verwendung inzwischen verboten ist. Nur wenige Betriebe dürfen mit Sondererlaubnis noch kunsthandwerkliche Gegenstände herstellen. Wir sind im kleinen, sehr ordentlich geführten Hotel Don Tomas untergebracht, von wo aus wir die Tagestouren in die Umgebung machen.

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    Das Indio-Dorf Tocanao, Häuser aus hellem Liparit-Mauerwerk, kunstvolle Bewässerung der schönen Gärten, knapp 500 Einwohner auf 2500 m Höhe, dann weiter durch endlose Wüste am Fuss der Anden zu den blauen Lagunen am Fuss des Vulkans Miscanti (5600 m), wir nun schon auf etwa 4000 m, das Laufen bergauf ist mühsam, schwerer Atem, klapperige Knie, bloss keinen Schritt zuviel. Dafür bereiten Fahrer und Führer ein fürstliches Picknick, sogar Rotwein und Gläser haben sie mitgebracht. Plötzlich kommen starke Fallwinde vom Vulkan herab, die Papierservietten verteilen sich blitzartig und schweben hoch über unseren Köpfen davon. Wasserflaschen werden in einer Schneewächte gekühlt. Wir haben Zeit, die drolligen Rüsselblässhühner zu beobachten, die ihre Nester grimmig verteidigen. 14 Nester zählen wir, alle in einigen Metern vom Ufer im flachen Wasser hochgetürmt, um dem Fuchs keine Chance zu geben.


     

    Auf der Rückfahrt Abstecher zum Aalar de Atacama, dem grössten Salzsee in der nördlichen wüste. die Salzkruste ist etwa 1-2 m dick, stellenweise weniger und die Sole quillt hervor. man hat ein naturreservat eingerichtet, um die zahlreichen Flamingos und andere Wat- und Wasservögel zu schützen. die sonne wird vom Salz übermässig reflektiert, Sonnenbrillen sind stark gefragt. die Luft ist salzig. die Flamingos (3 arten) müssen abends benachbarte Süsswassertümpel aufsuchen, um das Salz aus Beinen und Gefieder zu waschen. Würden sie das nicht tun, würden Salzkrusten vom stundenlangen Waten in der Sole an den Beinen entstehen und die Vögel werden flugunfähig.

    in den nahegelegenen Bergen, die den Altiplano ankündigen, bauen die Europäer zur Ergänzung der südlichen Atacama-teleskope zur zeit eine Forschungsstation mit 64 Radioteleskopen von jeweils 12 m Durchmesser. die Strasse hoch hinauf auf über 4000 m ist fertig. für untrainierte Astronomen wird auf 2000m ein "Erholungsheim" zur Höhenaklimatisierung gebaut. wir erleben diese Probleme ja nicht zum ersten mal, aber man gewöhnt sich in 3 bis 4 tagen auch an 4000 m.

    Der nächste Ausflug gilt den Ruinen einer uralten Festung bei Quitor, die auf schwindelnder Höhe mit hohen Steilwänden gut gesichert über der Oase thront. Erst die anrückenden Inka konnten die Besatzungen nach mehrwöchiger Belagerung überwältigen (um 1400) und nisteten sich selbst ein. Eine kleine Schar Spanier schaffte das 100 Jahre später dank besserer Bewaffnung in wenigen Stunden.

    Am nächsten Morgen werden wir um 3 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Eine mehrstündige Fahrt durch die Wüste auf den Altiplano steht an. Ziel: die Geysire von Tatio. In stockdunkler Nacht aber unter einem beeindruckenden Sternenhimmel samt Kreuz des Südens geht es über abenteuerliche Pisten, durch mehrere Flüsse und nach etwa 4 Stunden, kurz vor Sonnenaufgang und minus 2 Grad stehen wir bei Minusgraden bibbernd zwischen dampfenden, spuckenden und fauchenden Geysiren, deren kochend heisses Wasser unseren mitgebrachten Kaffee schnell erwärmt. Das ganze Tal ist in Dampfschwaden gehüllt, gut 3 Dutzend Geysire sind aktiv. Nicht ungefährlich, wenn man unachtsam und vom Wasserdampf eingehüllt, die Brille beschlagen herumstolpert, kann man in so einen Schlund geraten. Schwere Verbrühungen und sogar jährlich einen Todesfall verzeichnet die Statistik. Wenn die Sonne steigt, reicht der Temperaturunterschied zur jetzt wärmeren Luft nicht mehr aus, um Dampf sichtbar werden zu lassen. Es wird sehr rasch warm in diesen Breiten. Herrlich stehen die schneebedeckten Vulkane an der bolivianischen Grenze und prahlen mit ihren knapp 6000m nach Chile herüber. Auf der Heimfahrt genießen wir eine grandiose Landschaft, die wir bei Nacht passiert hatten. 

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